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Katharina Finke liest aus ihrem Buch „Mit dem Herzen einer Tigerin“

„Ich hatte Angst, Akhtar zu treffen, einen Mann, dem ich noch nie begegnet war und mit dem ich den Rest meines Lebens verbringen sollte. Dabei war ich gerade 11 Jahre alt.“ Mit diesen Worten der jungen Inderin Amila beginnt Katharina Finke (oberes Foto, Mitte) ihr Buch „Mit dem Herzen einer Tigerin“ und auch die Lesung im Rheinischen Hof Dinklage.
Auf Einladung der Buchhandlung Diekmann um Silvia Dierken (oberes Foto, links) und der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Dinklage Anja Schöndube (oberes Foto, rechts) erzählt die Journalistin auf beeindruckende Weise die Geschichte der Amila, stellvertretend für unzählige Frauenschicksale in Indien. IMG_9258
Mithilfe des Bildmaterials von Fotograf David Weyand berichtet Katharina Finke einfühlsam und sensibel über Amilas Leben als Arbeitssklavin und zwangsverheiratete Ehefrau, über ihre vermeintlich spannende Reise nach Neu-Dehli, die ohne Rückkehr in ein Leben voller Gewalt führt. Dort wo harte körperliche Arbeit, Prügel und Vergewaltigungen an der Tagesordnung sind, findet sich Amila wieder. Sie lernt sich körperlich nicht zu wehren – als Überlebensstrategie. IMG_9257Mit einem Netz aus Lügen und Tricks versucht sie, ihre Töchter zu schützen und die Familie vor Armut zu bewahren. Selbst als sie das Glück hat, über den Workshop einer Hilfsorganisation, heimlich Freunde und Familie im hunderte Kilometer entfernten Heimatdorf besuchen zu können, muss ihr Schicksal geheim bleiben. Sie will keine Schande über die Familie bringen und nicht als beschmutzt verstoßen werden.
Katharina Finke erzählt von der zweigesichtigen Politik der Regierung, verstrickten Konventionen einer uralten Kultur, die es den Frauen unmöglich machen, ihrem grausamen Alltag zu entfliehen. Sie berichtet vom Brauthandelring, von Föten- und Säuglingstötungen und dem daraus entstandenen Frauenmangel im Nordwesten des Landes, von der Zwangsverheiratung der neun- bis elfjährigen Mädchen, der häuslichen Gewalt und der großen Bedeutung einer eigenen Toilette. Denn eine Toilette im Haus verringert das Risiko der häufigen Vergewaltigungen erheblich, weiß die Autorin.
Auf die Frage aus dem Publikum, nach der Entwicklung in Amilas Leben, sagt Katharina Finke, die nach mehreren Indienreisen versucht, den Kontakt zu halten: „Amila darf zum Markt gehen. Ihre Kinder dürfen die Schule besuchen. Vielleicht können sie aus den Erfahrungen der Mutter lernen, die als Analphabetin fern von jeder Technik lebt. Wissen, Aufklärung und die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit sind wichtig, um langfristig Verbesserungen herbeiführen zu können.“ Text/Fotos: Astrid Hentschel

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Published on: 27 April 2016
Posted by: ovadmin

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