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Fotopirsch: Ausstellung mit Bildern von Theo Wilke im Burgwald ab dem 24. Juni

Da ist er. Der schwarze Bock von Wehdel. Und Theo Wilke beobachtet ihn von seinem Ansitz aus, legt an – drückt ab. Unzählige Male gibt es diese Szene. Über viele Jahre hinweg. Denn der Dinklager Tierfotograf Theo Wilke hatte nichts anderes im Sinn, als die Entwicklung dieses seltenen, stolzen Rehwildes mit der Kamera zu dokumentieren. Wer war Theo Wilke? Geboren wurde er am 4. Januar 1920 in Dinklage. Er starb am 11. Januar 2000. Und wer ihn nicht unter seinem eigentlichen Familiennamen kannte, der wusste zumindest mit Hölzen Theo etwas anzufangen; oder eben mit Foto-Hölzen. Denn dieses über die Dinklager Ortsgrenzen hinausgut bekannte Fotostudio leitete er zusammen mit seiner Ehefrau Irmgard (Irmi), geborene Hölzen. Beide hatten das 1924 gegründete Geschäft im Jahr 1951 von Irmis Vater Peter Hölzen übernommen. Sie führten es in eigener Regie bis 1982, zuletzt im früheren Dinklager Feuerwehrhaus an der Burgstraße. Bekannt wurde das Studio vor allem durch seine ausgezeichnete Porträtfotografie.

Doch Theos eigentliche, große Fotografenliebe galt der Natur und hier den Aufnahmen der heimischen Tierwelt. Besonders das Rehwild hatte es ihm angetan. Und er wurde so zu einem Jäger mit der Kamera – zu einem exzellenten Kenner, ähnlich einem passionierten Jäger, nur dass er niemals einem Tier etwas zuleide tun konnte. Mag sein, dass eine Erfahrung aus den Kriegsjahren hier eine Rolle spielte. Sohn Thomas Wilke, der heute mit seiner Familie in Hannover wohnt, erinnert sich, dass sein Vater erzählte, wie er einst in Russland als halb verhungerter Soldat ein Reh anschoss und es nie verwinden konnte, wie das arme Tier sich zu Tode quälte. So wurde aus Theo Wilke eben kein Jäger, sondern mit Beginn der 1960er Jahre ein Tierfotograf, der sich immer mehr perfektionierte und auch keine Kosten scheute, um seine Ausrüstung zu verbessern. Daran erinnert sich Willi Rolfes aus Vechta, selbst ein bekannter Naturfotograf. Er lernte als junger Mann Theo Wilke in den 1980er Jahren kennen und schätzen, konnte von dessen Erfahrungen profitieren. So war der Dinklager immer auf der Suche nach einem Kameragehäuse, das beim Drücken des Auslösers kaum Geräusche machte, die die Tiere verscheuchen konnten. Die Leica R4 war so ein Meisterwerk, nur mit dem Nachteil behaftet, dass es damals zu dem Gehäuse kein Kameraobjektiv mit der nötigen Brennweite gab. Denn nur eine lange Brennweite – ein Teleobjektiv – garantierte auch eine möglichst optimale Nähe zum Tier.

Deshalb, sagt Rolfes, ließ Theo Wilke um 1986 eigens für viel Geld das damals für seine Zwecke beste Teleobjektiv – ein 600mm-Objektiv von Nikon – von einem Münchener Spezialbetrieb so umbauen, dass es an die Leica passte: Leise Kamerabedienung und lange Brennweite. Nun gelangen für die damalige Zeit, die ja noch keine Autofocus-Technik (automatische Scharfstellung des Objektives) kannte – geschweige denn den Komfort der Digitalfotografie –, hervorragende Aufnahmen. Zum Beispiel vom schwarzen Bock. Den lernte Theo Wilke in Wehdel kennen, kurz hinter der Grenze zwischen der Dinklager Bauerschaft Bünne und Badbergen. Hier konnte er im Revier eines ehemaligen Kriegskameraden auf Fotopirsch gehen. Wehdel war bekannt für diese Sonderheit des Rehwildes, das es so nur in einigen Gegenden der Norddeutschen Tiefebene gibt. Sieben Jahre lang verfolgte Wilke „seinen Bock“ mit der Kamera – und sorgte so auch dafür, dass dies schöne Rehwild vom Abschuss verschont blieb. Für den Fotografen war es jedes Jahr erneut ein ganz besonderes Erlebnis, den besonders starken Bock zu erleben und zu sehen, wie er sich weiter entwickelte. Zu den Rehen gesellte sich das Rotwild. Hier nutzte Theo Wilke seine Kontakte zu Freunden im Solling, um immer wieder prächtige Hirsche vor die Kamera zu holen. Unter anderem gelang ihm ein Foto des damals stärksten Hirschen der gesamten Region, das dann in allen deutschen Jagdmagazinen veröffentlicht wurde. Doch zumeist war der Naturfotograf in seiner Heimatregion unterwegs, hier unterhielt er beste Kontakte zu Landwirten und Jägern, konnte sich so Ansitze aussuchen, die gute Fotos ermöglichen. In Bahlen bei Dinklage näherte er sich dem Eisvogel oder – im Winter – den Mäusebussarden. Und im Dinklager Burgwald ging es um die heimische Vogelwelt.
Willi Rolfes erinnert sich, dass es immer wieder die Benediktinerinnen auf Burg Dinklage waren, die Theo Wilke alarmierten, wenn sich in ihrem Umfeld die Spechte zeigten. Und Wilke genoss das Privileg, als einer von ganz wenigen Männern dann den Klausurbereich der Schwestern hinter der Dietrichsburg betreten zu dürfen. So gibt es heute neben dem umfangreichen Archiv des Fotogeschäftes Hölzen, das von der Fotogruppe des Heimatvereins Dinklage betreut und aufgearbeitet wird, eine ebenfalls große Tierfoto-Sammlung (Abzüge und Negative), die Thomas Wilke nach dem Tod seiner Eltern – Irmi Wilke starb 9. Juni 2015 – aufbewahrt.

Einen kleinen Einblick in diese Sammlung und in die Arbeit des Tierfotografen soll demnächst eine Open-Air-Fotoausstellung auf dem Areal der Burg Dinklage bieten. Sie ist vom Bürger- und Kulturring Stadt Dinklage vorbereitet worden. Unterstützt wird sie von Thomas Wilke, der Bröring Unternehmensgruppe aus Dinklage und dem Jugendförderwerk Vechta. Die fachliche Beratung hat Willi Rolfes übernommen, Texte stammen von Andreas Kathe.
Die Ausstellung wird am 24. Juni um 11 Uhr im Klostercafé eröffnet. Die jederzeit zugängliche Schau mit dem Titel „Fotopirsch – Bilder des Dinklager Naturfotografen Theo Wilke“ wird auf dem Gelände vor der Burgkapelle noch bis zum Oktober zu sehen sein. Text: Andreas Kathe/Fotos: Theo Wilke/Willi Rolfes

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Published on: 21 Juni
Posted by: ovadmin

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