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Wenn die Berliner Philharmoniker anrufen

Von Torben Siemer

Mit einem Anruf der Berliner Philharmoniker hat Manfred Menke nicht gerechnet. Menke ist Schlagzeuger, komponiert seit vielen Jahren eigene Stücke. So auch „Eine (kleine) Tischmusik“, das von einem Quartett mit Kochlöffeln an einem Tisch gespielt wird. Und weil ein Quartett der Berliner Philharmonie dieses Stück bei ihrem Konzert „Winter Drummerland“ spielen wollte, klingelte vor einigen Wochen das Telefon des 57 Jahre alten Dinklagers.
„Ja, natürlich, auf jeden Fall“, habe er geantwortet, berichtet Menke. Die Frage: Dürfen wir ihr Stück bei unserem Konzert spielen und im Film der Aufführung zeigen? Es ging also um die Rechte, die Musik als Teil des Films im Internet zu veröffentlichen, in der sogenannten digitalen Konzerthalle des renommierten Sinfonieorchesters. 
„Das ist eine große Ehre“, schildert Menke seine erste Reaktion: „Und dann habe ich gesagt, dass ich gerne ein Foto mit den Musikern machen würde.“ Die Einladung nach Berlin folgte prompt, zusammen mit der Zusage, nach dem Konzert einmal einen Blick hinter die Kulissen der Philharmonie werfen zu dürfen. „Dort war ich vorher noch nie gewesen“, sagt der 57-Jährige. Der Konzertsaal mit mehr als 2200 Plätzen: ausverkauft.
Vor dem Treffen mit den Musikern stand aber natürlich das Konzert selbst. „Das ist für mich etwas ganz Besonderes, wenn eines meiner Stücke in so einem Rahmen gespielt wird.“ Der Konzertsaal habe ihn wahrlich beeindruckt, ebenso wie zuvor allein die Größe der Philharmonie. 
„Es war spannend zu sehen, was andere Musiker aus dem Stück machen“, erzählt Menke. Es sei eine mitunter eigenartige „Mischung aus normal und außergewöhnlich“ gewesen, dass das Quartett das Stück aus dem Jahr 1991 vor einem so großen Publikum spielten. 
Nach dem Konzert durfte Menke dann hinter die Bühne. „Es war schön, dass die Musiker sich Zeit genommen haben.“ Ein kurzes Gespräch habe sich entwickelt; ein bisschen Smalltalk, ein bisschen fachsimpeln. Und die Frage, wie er denn darauf gekommen sei, ein Stück zu schreiben, das mit Kochlöffeln auf Tischen gespielt wird.
„Das war 1991“, erzählt Menke. Damals habe er mit seinen Schülern an der Universität Vechta – Menke unterrichtet dort seit 1986 – eigentlich nur ein paar Übungen zum Thema Rhythmus gemacht. „Damals hatte ich eine Gruppe neuer Studenten, wir sind kreativ geworden und ich habe sofort das Gefühl gehabt, dass da gerade irgendetwas entsteht.“
Die kleine Tischmusik spielte Menke danach regelmäßig mit Studenten und Kollegen, trat auf, verbreitete das Stück. Mittlerweile sind die Noten in mehr als 20 Ländern unterwegs, das Internet ist voll von Übungen, Interpretationen, Aufführungen. Es werde auch viel an Musikschulen gespielt, bei Rhythmusübungen zum Beispiel – und aus einer solchen entstand es ja einst auch. 
Für Menke war die Anfrage und der Besuch in der Philharmonie in vielerlei Hinsicht beeindruckend, sagt er. Und auch eine Inspiration, wieder kreativ zu werden. „So ein Erlebnis gibt einen ganz neuen Input, Neues zu entwickeln.“ Das tue er auch derzeit mit seinen Studierenden. Vielleicht klingelt das Telefon also demnächst noch einmal.
 
Großes Foto:  „Backstage“ in Berlin: Manfred Menke (Mitte) mit den Schlagzeugern der Berliner Philharmoniker (von links nach rechts) Jan Schlichte, Raphael Haeger, Franz Schindlbeck und Rainer Seegers. Foto: Menke
So geht das: Die vier Schlagzeuger während ihrer Interpretation von „Eine (kleine) Tischmusik“. Foto: Rabold

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Published on: 7 Januar
Posted by: ovadmin

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