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Leidenschaft und Begeisterung: Eheleute Tiemerding tragen maßgeblich zur Rettung der Artland Dragons bei

Es ist Sonntag, der 3. Mai 2015, exakt 14.12 Uhr, als die Eheleute Margitta Flege-Tiemerding und Andreas Tiemerding, Geschäftsleiter des Malerbetriebs Tiemerding und große Fans der Artland Dragons, die Nachricht erhalten, die sie in einen Schock-Zustand versetzt: Die Artland Dragons stellen aufgrund des Rückzugs des Hauptsponsors mit sofortiger Wirkung den professionellen Basketball-Spielbetrieb ein. „Ich dachte erst „April, April“ und war sauer. Darüber macht man keine Witze“, sagt Andreas Tiemerding. Ein Blick auf die Dragons-Homepage verdeutlicht jedoch schnell, dass es sich nicht um einen Scherz, sondern um die bittere Realität handelt. Fassungslosigkeit, Enttäuschung und Entsetzen herrschen in Quakenbrück, im Umland und bei den Tiemerdings, die seit 2010/2011 Sponsoren und leidenschaftliche Anhänger der Dragons sind.Quak Marktplatz

Doch die beiden Anhänger wollen sich mit der Situation nicht abfinden. Sie handeln. Am nächsten Abend fahren die Tiemerdings nach Quakenbrück zum Pizza essen beim Italiener, bei dem sich auch Spieler und Trainer häufig aufhalten, loten die Stimmung aus und führen erste Gespräche. Parallel dazu sorgt Andreas Tiemerding in einem Internet-Forum für Wirbel. Unter dem Thema „Neue Chance für die Dragons – wie können Fans helfen?“ beeindruckt Tiemerding unter seinem Alias „Aqua 68“ die anderen Benutzer mit seinem Insiderwissen und versucht, Aufbruchstimmung und Euphorie zu erzeugen sowie den Glauben an eine Zukunft des Profi-Basketballs in Quakenbrück aufrecht zu erhalten.

So kommt es, dass die Eheleute für den nächsten Abend zu einer Fanclub-Versammlung eingeladen werden. Über die sozialen Netzwerke macht Andreas Tiemerding ordentlich Werbung für die Veranstaltung: Der Andrang ist so groß, dass die Zusammenkunft auf die Schnelle in einen großen Saal verlegt werden muss. Der Tenor unter den Fans gefällt den Tiemerdings allerdings nicht. Viele Anhänger scheinen die Zukunft in der Regionalliga, im nicht-professionellen Bereich, zu sehen. Da ergreift Andreas Tiemerding das Wort: „Warum Regionalliga? Da kann ein Sponsor nichts mit anfangen. Entweder wir reden über die Basketball-Bundesliga (BBL) oder ich gehe.“ Fortan kippt die Stimmung um Richtung Profi-Basketball und die Fans überlegen, was sie für dieses Ziel tun können. Eine Facebook-Seite wird eingerichtet. Für den nächsten Abend wird eine Feier auf dem Marktplatz angesetzt, die Tiemerdings kümmern sich mit den Fanclubs und einigen Firmen um Technik, Genehmigung und mehr. Trotz eines Unwetters füllen 1500 Menschen den Platz, das Interesse der Medien ist groß. Margitta Tiemerding hält auf der Bühne eine emotionale Rede, mit der sie den Nerv der Fans trifft. Ferner werden Retter-T-Shirts bestellt und verkauft, die reißenden Absatz finden. Plötzlich ist bei den Menschen der Glaube an eine Zukunft des Profi-Basketballs in Quakenbrück zurück und die Tiemerdings avancieren zu den Gesichtern der Retter-Aktion. Darüber hinaus versuchen sie, bisherige Sponsoren im Boot zu behalten und neue zu gewinnen. „Ich habe noch nie so viel telefoniert und mich mehrere Tage fast nur darum gekümmert“, sagt der zweifache Vater Andreas Tiemerding.

Dennoch wird schnell klar, dass es sehr schwer wird, die Gelder für die BBL zusammen zu bekommen. Zu groß ist das finanzielle Loch, zu knapp die Zeit. Allerdings wird bekannt, dass Braunschweig seine Pro-B-Lizenz verkauft und der Dragons-Stammverein, der Quakenbrücker Turn- und Sportverein (QTSV), versucht, diese zu erwerben. Was letztlich auch gelingt, so dass die Artland Dragons in der kommenden Saison auf Profi-Ebene in der drittklassigen Pro B antreten können.

Bei einer Lizenzparty auf dem Quakenbrücker Marktplatz schwappt den Tiemerdings dann eine Welle der Dankbarkeit und Sympathie entgegen. Für die Eheleute allerdings kein Grund, sich zurückzulehnen. Sie sind nach wie vor dabei, Sponsoren zu suchen und finanzielle Mittel zu akquirieren. Schließlich soll in den nächsten zwei Jahren der Aufstieg in die Pro A gelingen. Und die dafür notwendigen leistungsstarken Spieler kosten Geld. Derzeit basteln die Tiemerdings noch am Extra-Budget für einen besonderen Transfer. „Wir brauchen Gesichter und legen uns dafür ins Zeug, dass es so richtig losgeht“, erklärt Andreas Tiemerding. Seine Ehefrau ergänzt: „Wir wollen den Hype erhalten, die Halle muss voll sein und sie wird auch voll sein.“ Auf diese Weise soll das Team eine Mischung aus hoffnungsvollen Nachwuchsspielern und „alten Hasen“ sein.

Eine intensive Zeit liegt hinter den beiden Dinklagern. Es erfüllt sie mit Stolz, dass sie maßgeblich dazu beigetragen haben, dass es mit dem Profi-Basketball in Quakenbrück weiter geht. Margitta Tiemerding erläutert: „Es war alles ungewollt. Wir sind ins kalte Wasser geworfen worden und als die Sache lief, war sie nicht mehr zu stoppen“.

Als die Tiemerdings damals erstmalig in die Artland-Arena kamen, waren sie begeistert von der Stimmung und der Atmosphäre. Als sie Regeln und Spielsysteme immer besser verstanden, übte auch das schnelle und sehr lebendige Spiel eine kontinuierlich größer werdende Faszination auf sie aus. Sind die Leiter des Malerbetriebs nicht gerade im Urlaub, verpassen sie kein Heimspiel der Dragons. „Man taktet das Leben schon ein bisschen danach“, verrät Margitta Tiemerding. Sie sagt weiter: „Wir haben unseren Spaß und können die Spiele auch geschäftlich nutzen.“

Dass der Malerbetrieb Tiemerding auch künftig als Sponsor der Dragons auftritt, versteht sich von selbst. Dass er das überhaupt kann, haben die Geschäftsleiter zu einem gehörigen Teil auch ihrem eigenen Engagement, ihrer Leidenschaft und ihrer Begeisterungsfähigkeit zu verdanken.

Text: Heinrich Klöker/Fotos: Grebein

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Published on: 27 Juni 2015
Posted by: ovadmin

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