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Lie Sillah aus Gambia macht Ausbildung zum Tischler bei Oldenburger Interior

Lie Sillah ist für seine gute Chancenverwertung bekannt. Das gilt für sein fußballerisches Talent, wenn er für den SFN Vechta auf Torjagd geht und für seine noch junge berufliche Karriere, die er in diesem Jahr bei der Firma Oldenburger Interior in Dinklage begann, schreibt die Agentur für Arbeit. Der 20-Jährige machte zunächst eine sechsmonatige Einstiegsqualifizierung (EQ), gefördert von der Agentur. Im August begann er dann eine Lehre zum Tischler.
Der Weg dahin war schwierig. Geboren und aufgewachsen im westafrikanischen Gambia flüchtete er 2015 allein, schreibt die Agentur. Ein „Unbegleiteter minderjähriger Ausländer“ (kurz UmA), der von Bremen in die Region geschickt wurde. Über Visbek und Goldenstedt ging es nach Vechta, wo er bis heute mit zwei anderen Flüchtlingen in einer Wohngemeinschaft wohnt.
Nach seiner Ankunft in der neuen Heimat besuchte Lie ab Mai 2016 zunächst aufgrund fehlender Deutschkenntnisse die Sprachförderklasse der Adolf-Kolping-Schule Lohne. Im Februar 2017 wechselte er dort in die einjährige Berufseinstiegsklasse, die er mit dem Hauptschulabschluss erfolgreich abschloss.
In dieser Zeit nahm er auch seinen ersten Termin in der Schulsprechstunde der Berufsberatung der Agentur für Arbeit Vechta wahr. Die deutschen Sprachkenntnisse waren bis dahin zwar deutlich verbessert, für eine Berufsausbildung aber immer noch nicht ausreichend. Daher stellte man ihm die EQ vor, um die Sprachkenntnisse weiter zu verbessern und erste berufliche Kenntnisse zu erlangen. Dabei handelt es sich um ein betriebliches Langzeitpraktikum, gefördert von der Agentur für Arbeit.
Katharina Cruys vom Fachdienst Flexible Hilfen, Evangelisches Kinderdorf Johannesstift Vechta, begleitet den Hobbykicker seitdem er geflüchtet ist. Gemeinsam mit ihr und seinen Lehrern suchte Lie nach der Schule nach möglichen Praktikumsbetrieben. Dabei bewarb er sich unter anderem bei Oldenburger Interior für die Einstiegsqualifizierung. Katrin Rück und Henrik Schütte führten gemeinsam mit Katharina Cruys und Lie das Vorstellungsgespräch. „Wir waren uns schnell einig und zuversichtlich, dass es mit Lie gut funktionieren könnte. Nur das Instrument EQ war uns vorher nicht bekannt“, erklärt Katrin Rück vom Personalmanagement der Oldenburger Interior.
Die EQ absolvierte Lie dann von Februar 2018 bis Juli 2018. Dabei überzeugte er Kollegen und Vorgesetzte fachlich und menschlich, sodass man ihm frühzeitig für den direkten Anschluss an die EQ einen Ausbildungsvertrag anbot.
Seit August ist er nun Tischler-Azubi und voraussichtlich in drei Jahren fertig ausgebildet. Bereut hat er seine Berufswahl bisher nicht. „Ich wollte schon immer gern mit Holz arbeiten. Die Arbeit im Betrieb macht mir viel Spaß und ich mag die netten und freundlichen Kollegen“, sagt Lie. Diese unterstützen ihn zum Teil auch nach Feierabend, um beispielsweise bei den Hausaufgaben der Berufsschule zu helfen. Auch während der Arbeitszeit steht ihm immer jemand helfend zur Seite. „Jeder Azubi hat einen Paten im Betrieb, der für alle Fragen und Probleme zur Verfügung steht. Das sind entweder Meister oder Gesellen, die nach sechs Monaten die Patenschaft wechseln“, erklärt Ausbildungsleiter Henrik Schütte. In der Ausbildung durchlaufen die Azubis alle Stationen im Betrieb. Lie ist derzeit im Ladenbau tätig. Insgesamt werden zurzeit zehn junge Menschen zum Tischler im Betrieb ausgebildet, der knapp 300 Arbeitnehmer an zwei Standorten in Dinklage beschäftigt.
Erfahrungen hatte der Betrieb im Vorfeld weder mit der EQ noch mit der Beschäftigung von Flüchtlingen. „Da Lie der erste und bisher einzige ist, haben wir derzeit eine hundertprozentige Erfolgsquote“, meint Schütte augenzwinkernd. Der Eindruck sei aber wirklich sehr gut und die EQ als Vorbereitung für die Ausbildung in solchen Fällen gut geeignet. „Und das nicht nur für Flüchtlinge. EQ kann bei allen jungen Menschen Sinn ergeben, denen noch Kenntnisse und Fähigkeiten für eine Berufsausbildung fehlen“, erläutert Arbeitsvermittler Werner.
Wie es nach der Ausbildung weitergeht, ist noch ungewiss. Alle Beteiligten wünschen sich, dass Lie dann als Geselle im Betrieb tätig ist. Das hängt aber auch vom Asylverfahren ab. Sein erster Asylantrag wurde abgelehnt. Aufgrund des laufenden Klageverfahrens hat Lie derzeit eine Aufenthaltsgestattung. Wenn das Verfahren abgeschlossen ist, erhält er eine Ausbildungsduldung. Der bürokratische Aufwand und das Zusammenspiel aller Beteiligten im Integrationsprozess scheinen insgesamt noch verbesserungswürdig zu sein.

Zum Foto: Teamwork für die berufliche Integration: Tischler-Azubi Lie Sillah, Henrik Schütte (Oldenburger Interior), Frank Werner (Agentur für Arbeit), Katharina Cruys (Kinderdorf Johannesstift) und Katrin Rück (Oldenburger Interior). Foto: Halbsguth

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Published on: 30 Dezember 2018
Posted by: ovadmin

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